Trailrun 09/08/2026
„Der erste Trail, über den ich in diesem Blog schreibe, ist zwar nicht der erste Trail, den ich gelaufen bin, bekommt aber trotzdem einen besonderen Platz. Denn er hat den Stein für diesen Blog ins Rollen gebracht. Deshalb heiße ich euch willkommen zu meiner ganz eigenen – und nicht immer ganz so heroischen – Heldensaga“
Berg: Gräblesberg (Laufen bei Albstadt) | Strecke: 9,09 km | Höhenmeter: 314 m | Zeit: 1 h 2 min
Läufe wie dieser beginnen oft in meinem Kopf. Es ist kein außergewöhnlicher Berg für erfahrene Trailrunner, aber in meinem Fall fühlte er sich wie ein neuer Einstieg an. Nach monatelanger Pause, einer mehrtägigen Wanderung und neuen Trainingseinheiten. Nicht zu vergessen: Es ist erst mein zweiter Trail, nachdem ich zehn Jahre lang keinen Berg mehr hochgerannt bin.
Trotzdem – oder gerade deshalb – hatte ich ein Gefühl, das ich lange nicht mehr vor einem Lauf hatte: Aufregung.
Denn bei „normalen“ Läufen macht man sich mit der Zeit keine Gedanken mehr darüber, ob man es packt oder nicht. Man läuft los und wird schon früher oder später ankommen.
Bei Trails ist das anders. Jedenfalls für mich.
Ich möchte diesen Berg durchlaufen. Ohne Unterbrechung, ohne zu gehen. Denn das macht es für mich erst aufregend. Eine Herausforderung gegen den Berg. Gegen mich selbst.
Dadurch entsteht ein Nervenkitzel, der schwer zu beschreiben ist, aber etwas tief in mir berührt.
Der Aufstieg
Ich bin morgens am Wanderparkplatz angekommen. Es gab zwar noch eine kühle Brise, die Sonnenstrahlen machen aber schon am Morgen klar, dass wir mitten im August sind.
Ich zog meinen Laufgürtel an, packte den Autoschlüssel ein, schaltete die Tracking-App an – denn jeder weiß: Was Strava nicht aufzeichnet … – rief meine Playlist auf und machte dieses Mal nur einen Kopfhörer rein. So konnte ich meine Umgebung und auch meine Atmung besser hören.
Ja, wie gesagt: Ich war ein bisschen aufgeregt.
Beim Trailrunning finde ich es ohnehin besser, die Umgebung hören zu können. Wer ungern ganz ohne Musik läuft, für den ist ein einzelner Kopfhörer deshalb eine gute Option.
Der Anfang war sehr angenehm. Ein kleiner Bach, den man überquert, und anschließend geht es auf Asphalt in Richtung Wald und Berg. Dort wird man direkt mit der ersten Steigung konfrontiert.
Nicht unangenehm – aber man merkt sie.
Sie hat fast eine demotivierende Wirkung, weil sie direkt den Puls anhebt, obwohl man genau weiß: Das hier ist erst der Anfang.
Danach geht es ein Stück durch den Wald und man merkt sofort den Unterschied zur Sonne, trotz des morgendlichen Starts. Nach den ersten Kilometern ist die Hitze zwar kein großes Problem mehr, dafür macht einem der Weg ziemlich deutlich bewusst, warum Trailrunner kräftige Oberschenkel brauchen.

Denn es geht hoch.
Mit hoch meine ich ungefähr 200 Höhenmeter auf drei Kilometern. Ein wirklich beeindruckender Aufstieg.
Durch den grünen Wald kommt langsam eine für Albstadt typische Kalksteinwand zum Vorschein, die in den Sonnenstrahlen beinahe zu leuchten scheint.

Leider bleibt nicht viel Zeit zum Staunen.
Denn dort erwarten uns:
die Treppen der Hölle.
Die Passage ist wohl so steil und felsig, dass es keine vernünftige Alternative gab. Davon lassen wir uns aber nicht aus dem Konzept bringen. Wir steigen auf den historischen „StairMaster“ und hoffen einfach, dass unsere Oberschenkel ihren Arbeitsvertrag nicht ganz so genau durchgelesen haben.


Oben angekommen
Das Ganze lohnt sich.
Denn ungefähr nach dem dritten Mal, wenn man sich fragt, warum man das überhaupt macht, wird man mit einer wunderschönen Aussicht belohnt.

Für ein bis zwei Bilder und das obligatorische Beweis-Selfie muss Zeit sein. Danach befindet man sich auf dem wahrscheinlich entspanntesten Abschnitt des Trails.
Es geht weder besonders steil hoch noch runter und man kann wirklich gut Kraft tanken, bevor man den Gipfel erreicht.
Aber nicht gleich ausflippen, denn da oben könnten euch Esel begegnen.
Kein Scheiß.
Dort werden tatsächlich Spaziergänge mit Eseln angeboten. Das musste ich danach auch erst einmal googeln, bevor ich es jemandem erzählt habe.

Der Abstieg
Nachdem auch vom Gipfel das Beweisfoto im Kasten ist, geht es nach unten. Und genau wie beim Aufstieg ist die Verteilung der Höhenmeter wirklich teuflisch:
Auf einen Kilometer geht es 113 Höhenmeter bergab.
Das fühlt sich stellenweise fast mehr nach Fallen als nach Laufen an – und wenn man nicht aufpasst, wird es schnell halsbrecherisch.
Macht deshalb nicht denselben Fehler wie ich und hofft darauf, beim Abstieg ordentlich Zeit gutmachen zu können.
Der erste Abschnitt ist technisch anspruchsvoll und verlangt die volle Aufmerksamkeit. Nach diesem Krankenhaus-Kilometer wird der Abstieg allerdings immer entspannter und man kann anfangen, ihn richtig zu genießen.
Zumindest so lange, bis der köstliche Geruch des Restaurants neben dem Parkplatz in die Nase steigt und damit endgültig den Endspurt einläutet.
Dann werden noch einmal die letzten Reserven herausgeholt.
Mein Fazit
Macht auch hier nicht denselben Fehler wie ich und kommt nicht zu früh. Dann seid ihr vielleicht pünktlich zum Vesper im Tal und könnt euren Trail gebührend feiern.
Ich werde ihn auf jeden Fall noch einmal laufen. Zum einen gibt es ein paar Dinge an meinem Gameplan, die ich optimieren möchte. Zum anderen macht der Trail einfach richtig Laune.
Die Wege werden nie unangenehm eng, es gibt genügend Möglichkeiten zum Ausweichen und die Strecke ist gut ausgeschildert. Aber vor allem haben es mir die verrückten Steigungen angetan. Dieser Trail hat Charakter – und genau deshalb werde ich wiederkommen.
Abermals.R.
