LongRun 16/08/2026
„Meine erste Halbmarathondistanz. Eigentlich dachte ich zuerst, der Lauf wäre keinen eigenen Eintrag wert. Doch gerade das hat mir so viel zu denken gegeben, dass ich ihn hier festhalten wollte.“
Orte: Balingen/Engstlatt/Streichen/Zillhausen/Stockenhausen/Frommern | Strecke: 22,26 km | Höhenmeter: 326 M | Zeit: 2 H 32 Min
Das war bis jetzt meine längste Distanz und schon immer ein Checkpoint, der für mich die Grenze vom Anfängerläufer zum etwas ambitionierteren Hobbyläufer gebildet hat.
Lange war es kein tatsächliches Ziel für mich selbst. Aber da ich nun doch seit mehreren Monaten regelmäßig laufen gehe, war es für mich nur eine Frage der Zeit, wann ich diese Grenze austeste und herausfinde, ob ich schon so weit bin, mich einen ambitionierten Hobbyläufer zu nennen oder ob ich es in meiner selbst kreierten Rangliste noch nicht so weit geschafft habe.
Der Lauf
Ich habe mich wirklich mental auf den Lauf vorbereitet und mir viele Gedanken über eine passende Strecke, die richtige Ausrüstung und sogar die richtige Fuelingmenge gemacht, nur um am Ende nicht wirklich viel von meinem Plan in die Tat umzusetzen.
Ich wollte eigentlich morgens los, weil es tagsüber sehr heiß werden sollte… und habe verschlafen. Meinen Fuelingplan konnte ich nicht umsetzen, weil ich vergessen hatte einzukaufen.
Und so stand ich am Abend da. Wenigstens mit aufgeladenem Handy und einer Route, die ich zum Glück in Strava eingespeichert hatte.
Es fühlte sich komisch an. Als würde man sich auf den Weg machen und nicht mehr genau wissen, ob der Ofen aus ist oder der Kühlschrank auch wirklich zu ist.
Aber es fühlte sich für mich trotzdem richtig an. Ich wollte es nicht weiter aufschieben und entschloss mich, den Abend zu nutzen, da es langsam wieder etwas kühler wurde.
Ich bin extra etwas langsamer gestartet als sonst, weil ich immer zu schnell loslaufe. Und trotzdem hatte ich nach kurzer Zeit das Gefühl, dass ich zu schnell bin.
Ich war aufgeregt. Oder gespannt.
Ich habe auf etwas gewartet, das mich abholt. Das mir zeigt, dass ich etwas Besonderes mache.
Aber es kam nicht.
Ich habe mich umgeschaut und nach Dingen gesucht, die ich fotografieren und humoristisch in meinem Blog verwenden könnte.
Aber es kam nichts.
Der Lauf wurde sehr schnell auch sehr anstrengend, denn wie ihr vielleicht schon gelesen habt, hat die Strecke 326 Höhenmeter. Und diese haben sich größtenteils auf den ersten acht Kilometern breitgemacht.
Dadurch hatte ich anschließend ungefähr 14 Kilometer etwas entspannter vor mir. Aber bevor ich diese genießen konnte, musste ich erst mal klettern.
Da ich das Bergauflaufen gewohnt war und etwas die Power rausgenommen habe, war es erträglich und ich konnte den höchsten Punkt meiner Route erreichen.
Nachdem mir Petrus einen kurzen Schrecken in Form von Nieselregen verpasst hatte, wurde das am höchsten Punkt mit einem wunderschönen Sonnenuntergang wiedergutgemacht. Und mir wurde klar, dass es ab jetzt größtenteils nur noch bergab ging.
Durch stille kleine Dörfer und an nicht so stillen Landstraßen entlang.
Ich befand mich an einem guten Platz in meinem Kopf. Ich konnte meine Gedanken schweifen lassen.
Dann kam Zillhausen und ich wusste, dass ich mich ungefähr bei der Hälfte meiner Route befand. Dort habe ich meine einzige Ration gezündet, die ich dabeihatte:
250 ml Wasser.
Kein Scherz. Vor dem Lauf hat das tatsächlich in meinem Kopf Sinn ergeben.
Weil ich dann ja weniger tragen muss…
Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass ich die mal kurz weginhaliert habe.
Es war trotzdem erfrischend und ich bin froh, dass meine komplexen Ideen nicht noch für weitere Einsparungen gesorgt haben. Deshalb: Bitte nicht nachmachen.
Dann wurde es erst im letzten Drittel wieder interessant, weil es langsam dunkel wurde. Die kühle Luft hat mir noch einmal einen richtigen Schub gegeben.
Ich wurde richtig schnell.
Für gefühlt eine Minute.
Danach haben sich langsam die Gelenke gemeldet. Die Muskulatur an Waden und Oberschenkeln wurde härter und schwerer.
Aber zum Glück war es ein Weg, den ich kannte, wodurch dieses „nur noch ein bisschen“-Gefühl immer stärker wurde.
Am Ende fühlte sich jeder Kilometer länger und länger an und dadurch, dass es immer dunkler wurde, wurde dieses Gefühl noch verstärkt.
Als ich zu Hause angekommen bin, war die Sonne schon komplett untergegangen.
Und ich war wirklich froh, angekommen zu sein.
Ankommen
Als ich angekommen bin, hatte ich gemischte Gefühle.
Einerseits war ich froh. Andererseits enttäuscht.
Ich habe mehr erwartet.
Ich dachte, es würde sich anfühlen wie ein Medaillensieg. Oder dass ich auf Knien kaum glauben könnte, was ich da gerade gemeistert habe.
Aber stattdessen sitze ich schwitzend auf dem Fußboden und schaue mir meine Strava-Aufzeichnung an.
Gehe unter die Dusche und setze mich anschließend mit einer Flasche Wasser auf mein Sofa.
Ohne Jubel. Ohne große Emotionen.
Einfach leer.
Nicht schlecht, aber auch nicht gut.
Eine Sache, die mich doch mehr beschäftigt hatte, als ich im Nachhinein zugeben würde, war einfach abgehakt.
Ich war mir nicht sicher, ob ich damit der Disziplin gegenüber unfair war oder ob ich einfach etwas Zeit brauchte.
Aber eins wusste ich ganz genau:
Das mache ich nie wieder.
Tage danach
Ich habe natürlich trotz meiner eigenen gemischten Gefühle anderen stolz von meiner Leistung berichtet, um mir vielleicht ein bisschen von dem einzuholen, was mir an diesem Abend gefehlt hatte.
Aber auch wenn alle Respekt vor der Leistung hatten, wurde meine Beziehung zu diesem erfüllten Ziel nicht besser.
Es war, als wäre ich unzufrieden mit meiner eigenen Leistung, obwohl ich gleichzeitig sehr wohl stolz darauf war.
Ich hatte bloß nicht dasselbe Gefühl wie zum Beispiel damals, als ich das erste Mal 16 km gelaufen bin, tagelang nicht mehr normal laufen konnte und meine Füße voller Blasen waren.
Dieses Mal konnte ich zwei Tage später wieder Krafttraining machen und bin sogar mit dem Rennrad zum Gym gefahren.
Ich hatte keine Blasen.
Und trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Leistung für mich deshalb weniger Gewicht hatten.
Dieses innere Dilemma hat dafür gesorgt, dass ich mir irgendwann die Frage gestellt habe:
Warum mach ich das alles?
Wenn es nicht diese Meilensteine sind, was treibt mich dann dazu, immer weiterzumachen?
Und befinde ich mich auf dem richtigen Weg, wenn mich diese Erfolge nicht komplett erfüllen?
Mir wurde klar, dass das Ganze doch größer ist, als ich am Anfang vermutet hatte. Und ich denke nicht, dass ich an dem Punkt bin, diese Fragen vollständig zu beantworten.
Aber eines weiß ich:
Ich liebe die Herausforderung. Ich liebe es, Neues zu lernen. Und ich liebe es, meinen Körper immer besser zu verstehen.
Ich liebe den Prozess und dabei zuzuschauen, wie ich mich selbst entwickle.
Jede Erfahrung, jede Route und jede Einheit bringt mich weiter. Und wenn es auch mal hart wird und man merkt, dass man feststeckt, sollte man sich die Zeit nehmen und schauen, wo man angefangen hat und wie weit man bereits gekommen ist.
Denn jeder braucht mal eine Pause.
Auch wenn Pause manchmal einfach bedeutet, sich die Zeit zu nehmen, seine Gedanken zu sortieren.
Ich habe den Lauf geplant und durchgezogen, weil ich einen Meilenstein erreichen wollte.
Am Ende wurde der Meilenstein nur eine Randerscheinung und der Lauf war das, was mich wirklich bewegt hat.
P.S.: Ich weiß jetzt schon, dass das nicht mein letzter Lauf über diese Distanz gewesen sein wird.
*Cooles Zwinkern*
Euer Abermals.R.
